Tisch für acht Personen

oder:

Die Weihnachtstafel

(es läutet das Telefon, Meister Eder hebt ab...)

 

MEISTER  EDER  Hier spricht Eder, bin im ganzen Land

                           Meister meines Faches,   

                           und bekannt       

                           dafür beste Leistung zu erbringen, ….   

KUNDE: (unterbricht):   Lange Reden muss Er mir gar nicht schwingen !

 
MEISTER  EDER:    So, Grüß Gott, mein Herr, ich bitte sehr,

                            spreche Er zu mir, was ist denn sein Begehr?

KUNDE:       Oh Meister Eder, einen Tisch möcht ich bestellen!

                   Nehm´ Er irgendeinen, den Er findet!

                   Keinen frischen Baum braucht Er zu fällen.

                   Hauptsach´ heiter und recht lustig wirds an seiner Platte werden,

                   denn dieser Abend ist ein B´sonderer auf Erden !

 
MEISTER  EDER: (beflissen)       So sag´ er mir sogleich, in welchen Maßen,

                                               würd das gute Stück dem Herrn denn passen?         

KUNDE:       Ach Meister, belange Er mich nicht mit Zenti- und gar Milimeter!

                   Wichtig sind die Maß, die auf die Platte stellt Er!

                   Halt Er davon reichlich zur Verfügung!

                   Wir wollen Spaß und lassen´s krachen,

                   wollen ausgelassen feiern, wollen lachen,

                   denn Sein Tisch, mein werter Meister,

dient ausschließlich der Vergnügung!

 
         Doch wenn´s Ihm gar so wichtig ist, dem Meister Eder:

Fünf Personen kommen gleich und drei ein wenig später!

 

MEISTER  EDER: (beschwichtigend)      Macht Euch keine Sorgen, lieber Herr,

                                                        denn dafür verbürg ich meine Hand:

                                                        Meine Tische halten jedem Feste stand!

                                                        Doch so sagt:

                                                        Sitzt Ihr lieber je zu zweit an einer Seite,

oder mögt Ihr tafeln an einer ausgedehnten Länge

                                                        mit gar schmaler Breite?

                                                        Oder sitzt lieber Ihr im Kreis ….

KUNDE: (unterbricht)       Meister Eder! Lass Er in Ruh´ mich mit Details!

                                      Wir nehmen einen Tisch für acht Personen,

                                      doch die Form ist mir egal,

wir wollen schließlich nicht darunter wohnen!

 

MEISTER  EDER:    Und, mein lieber Herr, des Tisches Bein

                            Sagt, wie soll´s beschaffen sein?

KUNDE: (spöttisch)          Ob Tisch, ob Gast, wir haben alle unsere Beine,

                                      den fremden Blicken scheu entzogen,

                                      parken diese unterm Tischtuch,

                                      und Hand aufs Herz: Es wär´gelogen!

                                      Denn ist die un´sre Wirtshauskraft

ein hübsches Fräulein, das uns bringt den Gerstensaft,

                                      so soll kein Tischbein uns mehr interessieren,

                                      da wird des Mädchens schlanker Fuß

                                      uns nur noch imponieren!

                                      Und dann sind des Tisches Beine

                                      mir ebenso egal, wie meine!

 

MEISTER  EDER:    (etwas genervt): So sagt mir weiters, auf welches Holz,

                                                      guter Mann, wäret Ihr denn stolz?

KUNDE: (gelangweilt)       Ach, wen kümmerts was unterm Tischtuch sich versteckt,

                                      welch edles Holze dort vermodert und verreckt!

                                      Ob Lärche, Apfel oder Fichte, ja Eiche schlägt sich sicher sehr zu Buche! 

                                      Aber auch die Olive, hell und stolz,                      

liegt schlussendlich unterm Tuche !

 
MEISTER  EDER: (gereizt) Wenn ich Euch so recht begriffen,

                                      so wird’s Euch auch nicht kümmern,

                                      ob die Kanten sind geschliffen!

KUNDE: (rufend)    Meister, falle Er mir nicht zur Qual,

                            die Kanten sind mir schnurz egal!

 
MEISTER  EDER:   (listig)           Viel Arbeit wird es allemal und kostet Schweiß!

So sagt, was darf es kosten, nennt mir Euren Preis!

KUNDE: (höhnisch) Kreuzer,  Euro, Dollar,

                            davon schon jetzt zu reden ist mir widerlich!

                            Lass seiner Phantasie Er freien Lauf

                            Und tu-Er sich ja nicht liderlich!

 
MEISTER  EDER: (resigniert)      Sagt, zur Erfüllung von Eurem Glück:

                                               Wann soll´s denn fertig sein, das gute Stück?

KUNDE:       Tja, sagen wir für heute Nacht,

                   wir kommen dann so gegen acht!

 
MEISTER  EDER:    (verzweifelt)   Lieber Herr, seid mir nicht gram,

                                                          und nehmt es mir auch nicht zu krumm,

                                                          da bleiben mir bloß sieben Stunden!

                                                          Die sind gar schnelle um!

KUNDE: (grantig):  Ja, was tut Er denn so kompliziert?

                                      Was redet Er denn so verwirrt?

                                      Ich will doch heute bloß um acht mit acht Personen,

                                      zu Ihm, ins Gasthaus Eder kommen !

 
MEISTER  EDER:    Ich fürcht´, ich muss Euch arg enttäuschen,

                            denn bei mir kriegt Ihr kein Bier, doch dafür Kleister.

                            Ihr habt Euch wohl verwählt

                            Denn ich bin Eder, Schreinermeister !

 

 

 

© anders,  20.jä.2006, krido